Interview mit Autorin und Rätseldesignerin Annekatrin Baumann

Zum zweiten Mal entführt uns Annekatrin Baumann in diesem Jahr in die düstere Vorweihnachtszeit von Dysturbia, in der es wieder alles andere als ruhig zugeht. Im Interview gibt sie Einblick in ihren Schaffensprozess – und was ihr besonders an Dysturbia gefällt.

 

Wie bist du auf die Idee zur Story gekommen? Wie ging es los?

 

Auf der Suche nach einem interessanten Setting mache ich gerne ein ganz klassisches Brainstorming. Einfach mal Ideen sammeln, sortieren und anschließend mit meinem Ansprechpartner beim Verlag evaluieren, was gut zu Dysturbia passt, was noch nicht dagewesen ist und dringend noch erzählt werden muss.
Ein Setting und ein Verbrechen sind oft schnell gefunden, weshalb ich eigentlich die Frage nach der Falllösung und eines passenden Motivs spannender finde. Das „WIE“ und „WARUM“ ist nämlich meistens viel komplexer und dementsprechend schwieriger zu finden und zu entwickeln.

 

Was hat dir am besten am ganzen Schaffensprozess des Adventskalenders gefallen?

 

Zufälligerweise ist die arbeitsintensive Phase des Adventskalenders auch dieses Jahr auf einen Zeitraum gefallen, in dem ich auf eine Katze von Freunden aufgepasst habe. Ich war also mehrere Tage in einer anderen Wohnung und konnte mich neben dem Reinigen des Katzenklos voll auf den Adventskalender fokussieren. Diese Tage, in denen der Fall und die Rätsel in meinem Kopf Gestalt angenommen haben, und ich alle fünf Stunden tierische Gesellschaft hatte, haben mir auch bei diesem Adventskalender am besten gefallen.

 

Was bedeutet die Briefform für dich (in Bezug auf die Story und das Rätseldesign)?

 

Für mich ist es wichtig, dass die Briefe sich auch wirklich nach Briefen anfühlen und nicht nach einer reinen Verpackung für den Text und das Rätselmaterial. Die Spieler:innen sollen den Eindruck haben, dass die Figuren in der Geschichte sich wirklich schriftlich per Brief an sie wenden. Dieser Eindruck wird durch die Indivdualisierungsmöglichkeiten natürlich nochmal verstärkt. Außerdem macht es Spaß, als Autorin für ein Medium zu schreiben, das in unserer Gesellschaft mittlerweile eher seltener eingesetzt wird, aber immer ein gewisses nostalgisches Gefühl auslöst.

 

Wie sieht dein Arbeitsablauf für den Adventskalender aus?

 

Am Anfang entwickle ich den groben Storyverlauf und teile den Verlauf dann auf 24 Tage und die einzelnen Protagonist:innen auf. Im nächsten Schritt entwickle ich erste Rätselideen und ordne sie den einzelnen Tagen zu. Sobald feststeht, was bei den einzelnen Rätseln als Lösung herauskommen soll und was für Druckobjekte benötigt werden, kann ich die Rätsel  entwickeln und in Form von Rätselskizzen und Beschreibungen festhalten. Das alles passiert natürlich in enger Abstimmung mit dem Verlag. Die eigentlichen Briefe und Texte kommen also relativ spät im Prozess. Nach meiner ganzen konzeptionellen Vorarbeit wird das Ganze von einer Grafikdesignerin umgesetzt und zum Leben erweckt, bevor es in den Druck geht.

 

Gibt es für dich einen Unterschied in der Produktentwicklung zum Adventskalender aus dem letzten Jahr?

 

Der größte Unterschied ist, dass ich dieses Jahr schon grob abschätzen konnte, was auf mich zukommt. 24 Briefe und über 30 Rätsel (an manchen Tagen gibt es mehrstufige oder einfach mehrere Rätsel – lasst euch überraschen) sind in der Erarbeitung nämlich nicht gerade wenig. Dank der Erfahrung wusste ich aber schon, wie ich den Arbeitsberg angehen konnte: mein treuer Begleiter in der Entwicklung war ein großes Flipchart-Papier mit der Personenkonstellation der Story und 24 Post-its für die einzelnen Tage, auf denen jeweils vermerkt war, was an dem Tag alles passiert.

 

Was magst du besonders an Dysturbia?

 

Das Schöne an der düsteren Welt von Dysturbia ist, dass es zum einen bereits etablierte Charaktere und Regeln gibt, nach denen die Stadt tickt, sie zum anderen aber (fast) komplette Narrenfreiheit bei der Wahl des Settings und der Ereignisse bietet. Dass die Verbrechen und zwielichtigen Figuren sich mit humoristischen Elementen vermischen und alles nicht immer bitterernst ist, kommt mir in meiner kreativen Arbeit ebenfalls zugute.

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